{"id":2241,"date":"2021-04-12T10:43:10","date_gmt":"2021-04-12T08:43:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.ciao-rom.com\/stadtfuehrungen\/?p=2241"},"modified":"2021-04-12T18:47:46","modified_gmt":"2021-04-12T16:47:46","slug":"caravaggio-in-rom","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ciao-rom.com\/stadtfuehrungen\/caravaggio-in-rom\/","title":{"rendered":"Caravaggio in Rom"},"content":{"rendered":"<p>Dieses Jahr feiern wir den 450. Geburtstag von Caravaggio. Er wurde 1571 in Mailand geboren und kam als junger Mann mit Anfang zwanzig nach Rom. Da er ein sehr talentierter Maler war, fand er recht bald Unterst\u00fctzung von den Kardin\u00e4len, die ihm wichtige Auftr\u00e4ge vermittelten, sodass wir in Rom in mehreren Kirchen Kapellen haben, die von Caravaggio dekoriert wurden. Aber selbstverst\u00e4ndlich befinden sich die meisten seiner Meisterwerke in den Museen. Insgesamt k\u00f6nnen wir uns in Rom sechsundzwanzig Werke dieses gro\u00dfen Barockmalers anschauen.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>Caravaggio gilt als einer der bedeutendsten Barockk\u00fcnstler in Italien. Sein Malstil war revolution\u00e4r und basierte nicht mehr auf dem klassischen Vorbild der Renaissance. Was war nun so modern in seiner Malerei? Zwei Elemente spielen hier eine fundamentale Rolle:<\/p>\n<p>1. Die Beleuchtung &#8211; die meisten seiner Werke haben einen dunklen, eher undefinierbaren Hintergrund und eine eindeutige, sehr starke Lichtquelle, d.h. wir sehen einen harten Kontrast zwischen hell und dunkel. \u00c4hnliches kennen wir von Rembrandt, der diese Technik allerdings erst deutlich sp\u00e4ter verwandte. Durch diese starken Kontraste bekommen die Werke immer einen dramatischen Charakter.<\/p>\n<p>2. Realismus &#8211; Caravaggios Kunst ist nicht mehr idealisiert, wie wir das von der Antike und Renaissancemalerei kennen, sondern extrem realistisch, was oft zu Skandalen f\u00fchrte. Mehrere seiner Werke wurden von der Kirche abgelehnt, weil sie zu realistisch waren, z.B. hat Christus bei seiner Grablegung (Vatikanische Pinakothek) schwarze Fu\u00dfsohlen, oder Maria, die Christus zeigt, wie man eine Schlange t\u00f6tet (Galleria Borghese &#8211; Madonna di Palafrenieri) hat einen tiefen Ausschnitt, sodass man den Ansatz der Brust erkennt. Er selbst sagte von sich, dass sein Lehrmeister nicht die Antike sei, sondern der normale Mensch auf der Stra\u00dfe. Seine Modelle waren Stra\u00dfenkinder, Bettler und Prostituierte.<\/p>\n<p>Sein Malstil entsprach auch seinem Charakter. Er galt als streits\u00fcchtig, war oft in Schl\u00e4gereien verwickelt, was ja sogar zur Ermordung eines Menschen f\u00fchrte, weshalb er 1606 Rom fluchtartig verlassen musste, da der Papst ihn f\u00fcr vogelfrei erkl\u00e4rt hatte, d.h. jeder durfte ihn enthaupten.<\/p>\n<p>Wo finden wir nun Werke von Caravaggio? Bei unseren Stadtbesichtigungen gehen wir oft in drei Kirchen, um unseren G\u00e4sten Caravaggio zu zeigen. In der N\u00e4he der Piazza Navona befindet sich die franz\u00f6sische Nationalkirche S. Luigi dei Francesi. In der letzten Kapelle im linken Seitenschiff (Cappella Contarelli) k\u00f6nnen wir gleich drei Werke von Caravaggio bewundern, die uns Szenen aus dem Leben von Matth\u00e4us dem Z\u00f6llner zeigen (ab 1599 gemalt). Linkerhand sehen wir seine Berufung. Matth\u00e4us sitzt mit anderen Z\u00f6llnern an einem Tisch und ist sehr \u00fcberrascht, dass Christus ihn ausw\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Bereits hier erkennen wir die starken Hell-Dunkel-Kontraste. Aber noch deutlicher wird dies auf der rechten Seite, wo das Martyrium des heiligen Matth\u00e4us dargestellt wird. Matth\u00e4us liegt am Boden, \u00fcber ihn beugt sich sein Henker, der ihn in wenigen Sekunden t\u00f6ten wird. Diese beiden zentralen Personen sind in hellem Licht dargestellt, alle weiteren sind im Halbdunkel nur zu sehen. Das Altarbild stellt den Engel dar, der Matth\u00e4us das Evangelium zu diktieren scheint. Hier ist nun der Hintergrund komplett schwarz, sodass wir uns nur auf die zwei Figuren konzentrieren, die sich in fast grellem Licht gegen den dunklen Hintergrundsich absetzen. Von diesem Thema musste Caravaggio zwei Versionen malen. Leider ist die erste Version im 2. Weltkrieg in Berlin zerst\u00f6rt worden.<\/p>\n<p>Nur wenige Schritte weiter k\u00f6nnen wir die Augustinerkirche Sant Agostino besuchen. Gleich in der ersten linken Seitenkapelle sehen wir das Bild der Madonna di Loreto (1604 entstanden). Maria mit dem Christuskind auf dem Arm steht in der Haust\u00fcr. Vor ihr knien zwei Pilger in Anbetung. Maria ist wie eine noble R\u00f6merin dargestellt, wohingegen die beiden Pilger vom langen Weg recht staubig sind, was immer wieder kritisiert wurde. Eine solche Darstellung entsprach nicht der kirchlichen Vorstellung.<\/p>\n<p>Die dritte Etappe unserer Besichtigungstour f\u00fchrt uns nun zur Piazza del Popolo in die Kirche von Santa Maria del Popolo. Am Ende des linken Seitenschiffs hat Caravaggio in der Cappella Cerasi zwei Werke gemalt (1600\/1601). Rechterhand sehen wir die Kreuzigung von Petrus. Dargestellt ist der dramatischste Moment, als er mit dem Kopf nach unten an das Kreuz gebunden wird. Das Werk basiert auf der Komposition von zwei schr\u00e4gen Linien (wie ein X). Auch hier erkennen wir die typische Lichtf\u00fchrung. Die f\u00fcr Caravaggio wichtigen Elemente sind in hellem Licht dargestellt, alles andere ist im Schatten. Gegen\u00fcber sehen wir eines der revolution\u00e4rsten Werke von Caravaggio, die Bekehrung von Paulus. Auf seinem Weg nach Damaskus wurde der heidnische R\u00f6mer Saulus von einem g\u00f6ttlichen Blitz getroffen. Dieses Erlebnis hat ihn tief ber\u00fchrt, und er wurde zum Christen, nannte sich ab sofort Paulus. Durch die Beleuchtung und die Gestik bekommt das Bild eine unglaubliche Dramatik.<\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich gibt es viele weitere Werke in den r\u00f6mischen Museen. In erster Linie nenne ich hier die Galleria Borghese. Kardinal Scipione Borghese, der im 17. Jahrhundert diese Kunstsammlung angelegt hat, war ein Bewunderer von Caravaggio. Er besa\u00df zw\u00f6lf Werke des K\u00fcnstlers, von denen wir immerhin noch sechs in der Galleria besichtigen k\u00f6nnen. Ein ganzer Raum im Erdgescho\u00df ist ihm gewidmet. Besonders erw\u00e4hnenswert, abgesehen von der schon genannten Madonna di Palafrenieri, ist die Enthauptung von Goliath. David pr\u00e4sentiert uns den abgeschlagenen Kopf von Goliath, wobei dieser ein Selbstportait von Caravaggio darstellt. Er f\u00fcrchtete, nachdem er in einem Streit seinen Gegner get\u00f6tet hatte, jederzeit enthauptet zu werden, denn dies war das p\u00e4pstliche Urteil. Die Angst steckte tief in ihm, was sich in diesem Bild deutlich ausdr\u00fcckt.<\/p>\n<p>In den Vatikanischen Museen kann man in der Pinakothek die bereits erw\u00e4hnte Kreuzesabnahme, bzw. Grablegung von Christus bewundern. Sehr gut erkennt man hier den Kontrast zu Werken von anderen Barockmalern, die  weiter sehr traditionell, im klassischen Stil, gemalt haben. Dadurch wird jedem deutlich, wie modern und damit skandal\u00f6s die Bilder Caravaggios waren.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem lohnt sich auch ein Besuch in der privaten Galleria Doria Pamphili mit zwei Jugendwerken von Caravaggio: Ruhe vor der Flucht nach \u00c4gypten (1597) und die b\u00fc\u00dfende Magdalena (1594\/1595). Beide Bilder waren sicher f\u00fcr den privaten Gebrauch in einem r\u00f6mischen Adelspalast gedacht. Als Modell f\u00fcr Maria im einen und Magdalena im anderen Werk diente eine siebzehnj\u00e4hrige Prostituierte, mit der Caravaggio eine wohl recht turbulente Beziehung hatte. Damit wurde bereits in jungen Jahren klar, dass er wohl kaum ein kirchentreuer Maler sein w\u00fcrde.<\/p>\n<p>In den Kapitolinischen Museen (in der Pinakothek im 2. Stockwerk des Palazzo dei Conservatori) sehen wir die Wahrsagerin. Ein junges M\u00e4dchen liest einem edel gekleideten jungen Mann die Zukunft aus der Hand, ein Thema, das Caravaggio auch in Zukunft mehrfach wieder aufgenommen hat. Au\u00dferdem k\u00f6nnen wir hier auch eine von insgesamt neun Kopien von Johannes dem T\u00e4ufer bewundern (zwei weitere befinden sich in der schon genannten Galleria Doria Pamphili und im Palazzo Corsini in Trastevere)<\/p>\n<p>Zum Abschlu\u00df unserer Caravaggio-Besichtigung in Rom gehen wir in die italienische Nationalgalerie im Palazzo Barberini und sehen zwei weitere Meisterwerke: Judith, die Holofernes enthauptet. Dieses Bild entstand etwa gleichzeitig wie die Capella Contarini in San Luigi dei Francesi (1599) und zeigt alle typischen Charaktermerkmale seiner Malerei: Durch den starken Lichteinfall von links oben werden gewisse Details extrem hervorgehoben. Die Enthauptung wird im dramatischsten Moment dargestellt, als Holofernes die Augen aufrei\u00dft, das Blut aber bereits aus der Schlagader spritzt, er gerade noch versucht, sich aufzub\u00e4umen, aber wenige Sekunden sp\u00e4ter wird er tot zusammenbrechen.<\/p>\n<p>Beachtenswert ist auch das etwas vorher entstandene Bild von Narziss, der sich im Wasser spiegelt. Sehr ungew\u00f6hnlich ist diese Komposition, denn die obere und untere H\u00e4lfte des Bildes sind absolut identisch in der Form, nur das Licht ist in der Spiegelung sehr viel geringer als im oberen Teil, in dem Narziss sich \u00fcber die Wasserfl\u00e4che beugt.<\/p>\n<p><small>Foto: Public domain<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieses Jahr feiern wir den 450. Geburtstag von Caravaggio. Er wurde 1571 in Mailand geboren und kam als junger Mann mit Anfang zwanzig nach Rom. 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