Die Spanische Treppe

Die erste Frage meiner Gäste lautet immer: Warum heißt die Spanische Treppe „Spanische Treppe“? Dann muß ich immer alle enttäuschen, denn im Italienischen heißt die Treppe Scalinata di Trinità dei Monti, d.h. ganz profan die „Treppenanlage, die zur französichen Nationalkirche Trinità dei Monti führt“. Der Platz am Fuß der Treppe heißt Piazza di Spagna, also Spanischer Platz, weil hier im Laufe der Jahrhunderte viele Spanier lebten. Hier befindet sich auch die Spanische Botschaft beim Vatikanstaat.

Die Treppenanlage stammt aus dem 18. Jahrhundert und wurde von einem recht unbekannten Künstler, namens Francesco de Sanctis entworfen. Sie gehört zu den letzten großen Barockwerken in Rom. Sie wirkt wie eine gewaltige Theaterbühne, typisch für barocke Kunst. Im Frühjahr werden hier für etwa einen Monat die wunderschönen Azaleen aufgestellt, ein perfektes Fotomotiv.

In der Gegend um die Piazza di Spagna lebten immer sehr viele Fremde, denn früher war es für jeden europäischen Adligen oder Künstler eine Pflicht, ein Mal im Leben nach Rom zu reisen, die berühmte Grand Tour. Viele ließen sich für Monate, manche auf für Jahre, in dieser Gegend nieder. Der berühmteste Deutsche war Goethe, der ganz in der Nähe an der Via del Corso wohnte. Häufig traf man sich hier auch, um Eindrücke und Ideen in der Muttersprache auszutauschen. Der Treffpunkt der Deutschen war das berühmte „Café Greco“, das von einem Griechen (Greco) gegründet wurde und sich wenige Schritte entfernt in der Via Condotti befindet.

Spanische Treppe heißt auch Mode, denn hier und in den umgebenden Straßen sind alle berümten Modedesigner vertreten: Versace, Missoni, Prada oder Valentino. Allerdings sind die Mieten hier so extrem hoch, dass sich selbst die Luxusdesigner diese Preise nicht immer leisten können.

Seit einiger Zeit ist es nicht mehr erlaubt, auf der Spanischen Treppe zu sitzen, dies wird streng von der Polizei überwacht.

Foto: Sonse | Some rights reserved

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