Der Hadrianstempel in Rom

Bei meinen Besichtigungen der römischen Innenstadt zeige ich immer gerne den Hadrianstempel an der Piazza di Pietra zwischen dem Trevibrunnen und dem Pantheon. Hadrian war ein römischer Kaiser vor 1900 Jahren. Wir begegnen ihm sehr oft bei unseren Stadtbesichtigungen: Die Engelsburg war sein Mausoleum, die ungewöhnliche Architektur des Pantheons verdanken wir ihm und seinen Ideen. Außerdem ließ er sich 30 Kilometer östlich von Rom eine gewaltige Villa errichten, die berühmte Hadriansvilla, unterhalb von Tivoli.

Zunächst mal fragt man sich, warum einem Kaiser ein Tempel geweiht wurde, da Tempel doch eigentlich nur Göttern gewidmet waren. Aber seit der Ermordung von Caesar 44 vor Christus, haben wir immer wieder Beispiele, dass Kaiser nach ihrem Tod vergöttlicht wurden und einen Tempel erhielten. Der Caesartempel (genannt auch Caesaraltar) befindet sich im Zentrum vom Forum Romanum. Später wurde es üblich, dass der Kaiser schon zu Lebzeiten vergöttlicht wurde. Er mußte als dominus et deus (Herr und Gott) angesprochen werden. Insofern ist der Hadrianstempel ein typisches Beispiel eines vergöttlichten Kaisers.

Das Hadrianeum, wie der Tempel auch genannt wird, zeigt uns mehrere, sehr typische Elemente der römischen Architektur. Erhalten ist die eine Langseite des Tempels mit wunderbaren korinthischen Säulen und einem perfekt ausgearbeiteten Architrav. Wie so oft bei unseren Besichtigungen, sehen wir sowohl an den Säulen, als auch an der Fassade viele Löcher, die von Metalldübeln und -ringen stammten, um z.B. die einzelnen Teile der Säule miteinander zu verbinden.

Sehr gut erkennt man hier auch das antike Straßenniveau, das an dieser Stelle etwa 10 Meter unter dem aktuellen Straßenniveau lag. Wenn wir uns also direkt vor den Tempel stellen und runterschauen, sehen wir nicht den Keller, sondern die antike Straße, die den Tempel flankierte.

Interessant ist aber vor allem, dass zummindest diese eine Seite sehr gut erhalten ist. Dies liegt daran, dass das Hadrianeum in den folgenden Jahrhunderten nicht völlig verlassen wurde, sondern immer weiter in Benutzung blieb. Sehr lange Zeit befand sich dort die Zollstation. Und wozu wird heute dieses 1900 Jahre alte Mauerwerk genutzt? Eine überraschende Antwort: Hier sitzt die Industrie- und Handelskammer von Rom und die Zweigstelle der Mailänder Börse. Das scheint fast unvorstellbar, aber es ist sehr typisch für Rom, dass antike Gebäude bis heute genutzt werden. Innen ist das Hadrianeum heutzutage sehr modern mit Alluminium und Deckenstrahlern, so, wie man sich eine Börse im 21. Jahrhundert vorstellt.

Manchmal steht die Tür offen und man kann einen kurzen Blick hineinwerfen. Wenn man Glück hat, gibt es auch eine Ausstellung, sodaß man einen guten Eindruck vom Inneren bekommt.

Foto: Anthony Majanlahti | Some rights reserved

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