Die Pietà von Michelangelo in der Peterskirche

Die Pietà von Michelangelo, hier in vielen Details zu sehen, ist sicher das bedeutendste Einzelwerk Michelangelos, das in der Peterskirche bewundert und fotografiert werden kann. Aber eigentlich ist es kein „typischer“ Michelangelo: es handelt sich um ein Frühwerk. Michelangelo war Anfang zwanzig, als er dieses Meisterwerk im Auftrag eines französichen Kardinals schuf.

Die Bearbeitung des Marmors ist perfekt, Michelangelo war Bildhauer mit Leib und Seele, das Malen sah er nur als Pflichtfach an. Freiwillig hätte er niemals die Decke der Sixtinischen Kapelle ausgemalt. Aber warum ist es nun kein typischer Michelangelo? In seinen reiferen Werken, wie z.B. dem Moses in Rom (S.Pietro in Vincoli), merkt man ein ausgeprägtes Anatomiestudium an, die gesamte Muskulatur ist in diesen Werken immer deutlich zu erkennen. Das liegt an zwei Faktoren: Zum einen hat Michelangelo heimlich anatomische Studien betrieben, was zu dieser Zeit, Anfang des 16. Jhdts. noch streng verboten war; zum anderen sind wir ja in der Epoche der Renaissance, einer Zeit, in der die ersten Ausgrabungen in Rom stattfanden. Man hat unzählige antike Statuen gefunden, alle anatomisch perfekt. Viele, wie den Laokoon, hat Michelangelo als einer der ersten gesehen. Natürlich hat auch diese Tatsache ihn ungeheuer beeinflusst. In der Pietà finden wir diese ausgeprägte Anatomie noch nicht. Es ist das zarte Antlitz von Maria, was uns bewegt, die verzweifelte Geste, mit der sie sagen möchte: Ich habe geahnt, was passieren wird. Maria ist im Verhältnis auch zu jung dargestellt, jünger als ihr eigener Sohn. Das hat Michelangelo noch selbst erklärt, denn er wollte damit aussagen, dass ein Mensch wie Maria, der in seinem Leben so viel Liebe gegeben hat, ewig jung bleibt – eine sehr schöne Erklärung.

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