Die Via Appia Antica in Rom

Rom wurde in der Antike mit allen wichtigen Orten des römischen Weltreiches durch die berühmten Konsularstraßen verbunden. Die erste dieser Straßen war die Via Appia antica, angelegt vor etwa 2300 Jahren. Man nennt sie auch die Königin aller Straßen. Errichtet wurde sie unter dem Censor Apppius Claudius Caecus als Verbindung zwischen Rom und Capua, etwas nördlich von Neapel. Wenige Jahrzehnte später wurde sie verlängert bis Taranto und schließlich bis Brindisi. In Brindisi gab es einen bedeutenden Hafen. Somit existierte nun eine Verbindung zwischen Rom und dem östlichen Mittelmeer.

Die Via Appia Antica war von größter logistischer Bedeutung für den Handel und das Militär und gilt als eine der bedeutendsten ingenieurtechnischen Leistungen der Römer. Sie ist etwa 560 km lang, eine Entfernung, die man mit Pferdewagen in etwa 12 Tagen zurücklegen konnte. Bis heute sind große Abschnitte noch recht gut erhalten.

Die Via Appia ist etwa 4 Meter breit, somit konnten sich 2 Pferdewagen problemlos begegnen. In großen Abschnitten sehen wir heute noch die antiken Basaltsteine der Straßen. An den Seiten gab es Gehwege, die aber nicht gepflastert waren. Viele meiner Gäste fragen mich, wie man über solch holprige Straßen mit einem Pferdewagen fahren konnte. Aber wir müssen uns vorstellen, daß diese gewaltigen Basaltsteine ursprünglich direkt aneinander passten. Oft erkennen wir noch die Wagenspuren.

Entlang der Via Appia hatten viele reiche Römer luxuriöse Villen, etwas außerhalb im Grünen. Die größte und bedeutendste gehörte den Brüdern der Familie Quintili, die in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts nach Christus errichtet wurde. Ein Besuch dieser Villa ist sehr empfehlenswert, da man sich hier eine Vorstellung von der Größe einer privaten Villa in der Antike mit Thermenanlagen und wunderbaren Marmorfußböden machen kann.

Berühmt ist die Via Appia antica vor allem für die unzähligen heidnischen, christlichen und auch jüdischen Grabstätten. Tote mußten aus hygienischen Gründen immer außerhalb der Stadtmauern begraben werden. Abgesehen davon waren die Römer schon immer recht abergläubisch und fürchteten, dass Tote innerhalb der Mauern Unglück bringen könnten. Hier liegen auch die zwei bekannten Katakomben (San Sebastiano und San Callisto). Das bekannteste heidnische Grabmal ist das Mausoleum von Cecilia Metella. Sie lebte im ersten Jahrhundert vor Christus und war die Schwiegertochter von Crassus, der zusammen mit Caesar und Pompeius das erste Triumvirat bildete. Dieses runde Marmormausoleum ist für mich ein Symbol der Via Appia antica. Wir sehen es auch auf dem bekannten Bild „Goethe in der Campagna“ von Tischbein (Städel Museum, Frankfurt).

Sonntags ist die Via Appia antica komplett für den Verkehr gesperrt und man kann sich Fahrräder mieten. Direkt in der Stadt haben wir hier wirklich das Gefühl, in die Zeit der Antike zurückversetzt zu sein.

Foto: Paul Stephenson | Some rights reserved

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